Vom Arbeiten

 
  Erster Anlauf  
  Zweiter Anlauf  
    Exkurs: Die Wilden waren nicht wild.
    Exkurs: Wälder, Weltkulturen, Wüsten.
  Dilemmata und Auswege  
    Mehr desselben
    Modell Postbeamter
    Umverteilung

Arbeit

Also, wenn man sich erst einmal an die Arbeit macht, zeigt sich bald, daß ein richtige Arbeit über die Arbeit viel Arbeit machte. An Material mangelt es nicht, stattdessen kehrt man von der erste Runde durch die verschiedenen Wörterbücher und Zitatenschätze so reich beladen zurück, daß allein das kommentierende Aufblättern aller Lesefrüchte den Rahmen dieser Runde zu sprengen drohte.

ERSTER ANLAUF

Schon das Wort wird ja mit sovielen unterschiedlichen Bedeutungen benutzt, etwas soziologistisch formuliert:

Jede Arbeit über die Arbeit muß zunächst die Arbeit leisten, einen Begriff von Arbeit zu erarbeiten. Ein Satz, der sich selbst belegt.

Machen wir uns an die Arbeit, die, die man plant, an die man frisch herangeht, die zügig voranschreitet, wenn frohe Lieder sie begleiten: eine erste Definition wäre "die zielgerichtete Tätigkeit".

Und, schon muß man anbauen, ihr Produkt, eine besonders schöne Arbeit kann ein Teeschälchen aus der Song, ein Bild, ein gußeiserner Pumpenschwengel sein. Und nicht allein "seiner Hände Arbeit": die Klassen-, Magister- und Doktorarbeit ist eine Arbeit, an die man sich macht (die Aufgabe), ist lange Zeit in Arbeit (der Prozeß), liegt als Produkt gebunden vor und ist eine Arbeit, auf die man stolz ist (und da ist eine Funktion benannt: Arbeit als Quelle von Identität). In den sechziger Jahren gesellten sich zu den Hand- und Kopfarbeitern noch die des Herzens, Arbeit konnte nun auch die Kontemplation: Arbeit an der Seele bezeichnen, stilbildend war da der Ausdruck Trauerarbeit.

Und auch den Ort des Arbeitens kann es bezeichnen: auf Arbeit, das Labor.

Arbeit bedeutet auch das Vertragsverhältnis, die Stellung, in der man arbeitet. Ironischerweise besonders in der sprachlichen Verneinung "ohne Arbeit, arbeitslos". Wir verstehen die Arbeit als Auftrag: wenn einer etwas in Arbeit gegeben hat. Und wenn die lohnarbeitende Person unter analysierenden Blicken zu einem Faktor des produzierenden Systems zusammenschnurrt, ist von der Produktivkraft Arbeit die Rede. Als antagonistische Klasssen resp. Tarifpartner Arbeit und Kapital.

Und damit nähern wir uns dem anderen Kern des Begriffs, ein Blick auf den Bürokalender liefert das Motto:

Mit Arbeit versaut man sich den ganzen Tag.

Arbeit ist Mühe, Mühsal, Not, Fluch Gottes. Im Schweißes deines Angesichts sollst du dein Brot essen, unter Schmerzen sollst du gebären (engl.: labour=Wehen). Arbeit ist die Erbbuße, die jede Generation zu leisten hat für die erste Sünde: von den Bäumen gestiegen zu sein, den nachwachsenden Überfluß der alten Wälder verlassen und die Veränderbarkeit der Welt erkannt zu haben. Verloren sein in der Unwirtlichkeit der Welt, gezwungenerrmaßen sich dagegen anstemmen - ein Blick in Kluges 'Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache' zeigt, daß hier die eigentliche Wortbedeutung liegt, ich zitiere:

"Unter arm und Erbe ist der Stamm idg. *orbho-, germ. *arb- 'verwaist' entwickelt. Dazu gehört ein intr. Zeitwort germ. *arbejo 'ich bin ein verwaistes Kind' und dazu wieder *arbejidiz mit der Grundbedeutung 'Mühsal, Bedrängnis, Not'"

Das ganze Elend mit der ewigen Schufterei kann man kaum anrührender zusammenfassen.

Die beiden Bedeutungskerne des Wortes, Arbeit = Lohn und Brot unter Schweiß versus Arbeit = Selbstverwirklichung, hat Karl Marx mit einer schönen Formulierung als Reich der Notwendigkeit bzw. Reich der Freiheit beschrieben. Von ihm stammt gleichzeitig die umfassendste Definition der Arbeit, Stoffwechsel mit der Natur. Naturnotwendig bleibt die Arbeit auch im Kommunismus, aber dann tut sich doch das Fenster zum Reich der Freiheit auf - leider bleibt mein ML-Wörterbuch der Philosophie hier in sehr schwammigen Formulierungen zur Leistungsmoral stecken.

Arbeitsmoral und Leistungsethik gelten als Geheimnis des Erfolges dieser Kultur, für die Gesellschaft (Weber), aber auch für den Einzelnen: Arbeit adele, forme den Charakter. Andere denken da eher an innere Armut, so schreibt Lichtenberg an einer Stelle

"Die Personen. die am aufgelegtesten sind sich mit praktischen Dingen zu beschäftigen, oder was man in der gelehrten Welt jetzt arbeiten nennt, sind die, die am wenigsten Unterhaltung in sich selbst finden. Bei Ihnen ist immer der Stoß von außen nötig." Ji 123

Arbeit ist also ein mindestens janusköpfiger Begriff und wegen seiner Vielschichtigkeit auch einer, mit dem viel gelogen wird, wenn da heroische Arbeit geleistet wird oder Arbeit das Leben süß macht.
Und am Ende der Kultur steht, und in deutscher Sprache: Arbeit macht frei.

ZWEITER ANLAUF

Aus dem Vorigen nehmen wir die Frage nach dem Verhältnis der beiden Seiten von Arbeit mit, ich will im folgenden den Ursprüngen und der möglichen Zukunft nachspüren. Nehmen wir zwei einfache Sätze über den Anfang der Arbeit.

1. Die Arbeit beginnt mit dem Arbeitsplan.

2. Die Arbeit beginnt mit der Vertreibung aus dem Paradies.

Diese beiden Aussagen unterscheidet nur der Inhalt des Dativobjekts, trotzdem reden sie von sehr unterschiedlichen Dingen. Was Arbeit ist, hängt völlig vom Objekt der Arbeit ab.

Das klingt banal, ist es aber nicht.

Der eine Satz spricht von einer bestimmten, möglicherweise auch komplexen, aber abgrenzbaren Arbeit, Tätigkeit. Sie ist zielgerichtet, sie will einem bestimmten Unbehagen abhelfen. Aber das Unbehagen und der Vorsatz, es sich vom Hals zu schaffen, reichen nicht. Es geht nicht ohne ein geistiges Modell der in dieser Sache relevanten Umwelt und eine Theorie über die Natur des Unbehagens. Erst dann lassen sich Start und Ziel definieren und zwischen ihnen die Richtschnur der Zwischenziele spannen. Vor dem ersten Handgriff muß also etwas Philosophie getrieben werden. Daran erkennen wir die Erfinder der Arbeit. Es waren die frühen Denker, erst nach ihnen kommen die Tatmenschen zum Zuge.

Ein Plan ist notwendigerweise der erste Schritt jeder Arbeit. Solche Pläne können natürlich von sehr unterschiedlicher Art sein, die Erfolge eben so. "Ja mach nur einen Plan...

Der zweite Satz spricht von der Arbeit als einer Kondition des Menschen, als einem Gegenstand der Erinnerungen, der Geschichte und einem Thema von Mythen. Er spricht von Arbeit als einer Mühsal, einer Bedrängis, die es vor Zeiten nicht gegeben hat. Die Erinnerung der Kultur reicht bis zu einer Katastrophe zurück, nach der und als deren Folge das Leben etwas sehr mühseliges und notbeladenes geworden ist.

Exkurs 1: Die Wilden waren nicht wild, sie saßen fröhlich unter den Bäumen des Waldes, nährten sich von dessen Früchten und philosophierten.

Viele Berichte von Ethnologen von ursprünglichen Völkern betonen deren überaus reiches, gar nicht grobes sondern im Gegenteil sehr differenziertes Wissen über ihre eigene Umwelt.

Weil ich gerade darin lese will ich hier nur die Archäologin Marie König anführen, die in ihrem reich bebilderten Buch "Am Anfang der Kultur - die Zeichensprache des frühen Menschen" ihre Analyse steinzeitlicher Kratzungen in Karsthöhlen in der Ile-de-France darlegt. Sie findet als frühe Grapheme den Kreis, dann das Linienkreuz als die beiden ursprünglichen "Ausdrucksformen der Weltordnung", und dann, schon ab der Mittelsteinzeit, die Überlagerung, den Kreis mit Fadenkreuz. Erst später wird die Umrandung zum Viereck. Ich zitiere: "Das Linienkreuz war der grafische Ausdruck für ein allgemeines Orientierungsgesetz. Mit ihm ... hatte die Menschheit die wichtigste Entdeckung ihrer geistigen Existenz gemacht: Sie hatte den festen Punkt im All gefunden, den Schnittpunkt der Achsen, den Mittelpunkt des Kosmos, den Zentralpunkt der Kulturwelt." Und gleichzeitig das grundlegendste Arbeitsmittel, den rechten Winkel, die Matrix, das Diagramm.

Dieses Symbol aus der Steinzeit ist sehr lebendig: bei uns ist es das Zeichen der Ordnungsmacht Nato, in China das gültige Schriftzeichen für Feld, Land. Aber wo ist die Verbindung zur Arbeit?

Da, mitten im Paradies der Urzeit, ist die Arbeit erfunden worden.


Da ich schon mit Chinesisch angefangen habe, will ich noch ein wenig dabei bleiben. Die Arbeit heißt hier gongzuo, wörtl. eigentlich die Arbeit tun. Und das Schriftzeichen gong sieht dem eben gefundenen schon auf den ersten Blick sehr ähnlich, quasi eine Hälfte. Die Rechtwinkligkeit fällt sofort auf, aber ich war doch selbst überrascht, in den etymologischen Kommentaren auf Kreise und rechtwinklige Achsen gewiesen zu werden.

Rechter Winkel (Kompaßscheiben und Viereck; Regel). Ähnliche Form. Jede Arbeit wird mit dem rechten Winkel zustande gebracht.

Kompaß und Winkelmaß des Geomanten, der vor dem Bau des Hauses seine Ausrichtung im Raum und zur Natur festlegt, bezeichnen davon abgeleitet den Rechten Winkel und davon abgeleitet: die Regel, die Bestimmung. Es sind dieselben Gerätschaften, mit denen auch Astronomie betrieben wird. Hier ist der Erfinder der Arbeit mit seinem Handwerkzeug beschrieben. Ein die Form des Werkzeugs skizzierendes Zeichen bedeutet Arbeit.

Wenn man also sagt, daß es mit der Arbeit ein rechtes Kreuz sei, hat man in mehr als einer Hinsicht den Kern getroffen.

2. Exkurs: Wälder, Weltkulturen, Wüsten. Es geht mir hier um die Wirkungen von Arbeit.

These: den Sitz einer einstigen Weltkultur erkennt man an einem verwüsteten Landstrich. Die Wüste Gobi, die Sahara, das Horn von Afrika - es reicht ja schon aus, wenn man sich am Mittelmeer umsieht. Im Wappen des Libanon steht ja nicht der rote Fels, sondern die grüne Zeder, aber dieser Baum stirbt dort eben aus. Rings um dieses Meer klaffen die roten karstigen Narben der restlos abgeholzten Wälder, die für die Seeschlachten der Antike fielen, für die Glashütten Roms und seine Thermen. Es hat viel Arbeit gemacht, diese riesigen Landstriche zu verwüsten.

Vom Standpunkt der anderen Lebewesen gesehen ist es gar kein Problem, daß es soviele Menschen gibt. Das Problem ist, daß sie soviel arbeiten.

Der ursprüngliche Plan war, daß mit nur ein wenig Anstrengung man sich das Leben so viel angenehmer machen könnte. Es war ein schlechter Plan, er war zu kurz gedacht. Er vergaß, die langfristigen Folgen dieser kleinen Anstrengungen zu berücksichtigen.

Kurz gesagt führt Arbeit im ersten Sinn ab einer gewissen Dichte zu ökologischen Katastrophen, die dazu zwingen, sein Brot nicht mehr sammelnd und jagend, sondern im Schweiße pflügend auf der Brache zu verdienen, also zu Arbeit im zweiten Sinn.

Die beiden Bedeutungskerne von Arbeit stehen jetzt nicht mehr wie einerseits, anderseits nebeneinander. Sie verhalten sich auch nicht wie das Jammertal 'Notwendigkeit' zum verhießenen Silberstrahl 'Freiheit' am Horizont.
Sie verhalten sich eher wie eine wunderbare Medizin. Und ihre ganz unvorhergesehene, schreckliche Nebenwirkung.

DILEMMATA UND AUSWEGE

Wenn das 1. Dilemma mit der Arbeit lautet: Wie wird man den Zwang zur Plackerei wieder los und erwirbt die Freiheit der Gestaltung? dann fallen als erstes Auswege ein, die populär sind, aber in der Regel nicht glücken, oder nur für Einzelne: Lotto, reich heiraten, der schnelle Griff in die Ladenkasse, eine Bank eröffnen oder der sorgfältig geplante Postraub.

Gründlicher als der populäre Ausweg aus dem Dilemma ist die Verheißung, die Fortschritt und technische Entwicklung anbieten: nämlich als Ergebnis der Arbeit die Aufhebung der Arbeit. "Wenn sich doch die Arbeit selbst tuen würde!" - dieser Stoßseufzer soll erfüllt werden. Die Heinzelmännchen, der Golem, der Roboter, die automatische Küche sind Meilensteine der Herausbildung dieses Mythos der Maschinisierung und es gibt inzwischen genügend praktische Beispiele für funktionierende Techniken, die die Abschaffung der Arbeit zu einer konkreten Aussicht machen.

Diese Aussicht macht die technologische Entwicklung so populär, aber ich fürchte, es ist ein Mißverständnis im Spiel. Denn daß sie mit solchem Hochdruck betrieben wird, geschieht eher nicht im Dienste der Faulheit, sondern um Geld zu sparen. Es geht darum, immer weniger für menschliche Arbeit zu bezahlen. Immer weniger Menschen für ihre Arbeit zu bezahlen.

Wirklich haben die Satzcomputer den Setzern die Mühen ihrer alten Arbeit genommen, aber eben auch den Lohn, den sie dafür bekamen.

Und obwohl es angestrebt und seit langem schon Ziel der Wirtschaftspolitik ist, die Menge der Arbeiten so zu vermehren, daß trotz gestiegener Produktivität noch für jeden ein Arbeitsplatz da ist, gelingt dies nicht - ganz im Gegenteil. Statt von Arbeit zu befreien, führt die Rationalisierung dazu, Arbeitsplätze knapp zu machen.

Arbeit für alle, Vollbeschäftigung für die ganze Menschheit, kann und wird es nie mehr geben. Zwei exponentielle Entwicklungen: das Wachstum der Menschheit und die Steigerung der Arbeitsproduktivität. Sie zu überlagern überfordert die Welt.

Und so lautet das zweite Dilemma mit der Arbeit, wie man die bezahlte Arbeit so verteilt, daß alle davon satt werden können.

Es soll hier, zum Abschluß, um Arten gehen, sich zu diesem Dilemma zu verhalten.

1. Mehr desselben

Diese Formulierung leihe ich mir aus P. Watzlawicks nützlicher "Anleitung zum Unglücklichsein", er beschreibt diese Methode als eines der erfolgreichsten und wirkungsvollsten Katastrophenrezepte überhaupt. Seine einfache Regel: Erstens, es gibt nur eine mögliche, erlaubte, vernünftige, sinnvolle, logische Lösung jedes Problems, und wenn diese Anstrengung noch nicht zum Ziel geführt hat, so beweißt das nur, daß man sich noch nicht genügend angestrengt hat. Und zweitens: diese Annahme selbst darf nie in Frage gestellt werden.

Angewandt auf unser Thema fallen die passenden Politikerzitate mühelos ein, Slogans wie: "wir müssen alle härter arbeiten" - "kollektiver Freizeitpark Deutschland" - in diesem Sommer spukte gar die Idee, das Rentenalter hochzusetzen, durch den Wirtschaftsteil viele Zeitungen. Die völlige Teilbereichsverlorenheit dieser letzten Idee ist atemberaubend - sicher, die Rentenkassen sind leer, aber das ist doch nicht das einzige Problem. Und daß die Kassen leer sind, liegt doch nicht an der Höhe des Rentenalters sondern an der Konstruktion des ganzen Versicherungssystems, die wie ein Schneeball-system auf der Prämisse einer stetig wachsenden Bevölkerung beruht.

Aber die "einzig erlaubte, vernünftige, sinnvolle" Lösung zu Problemen mit Arbeit ist, hart zu arbeiten. Und wenn es dann immer noch Probleme gibt, müssen eben alle noch härter arbeiten.

Solche Äußerungen muß man ernst nehmen als Indikatoren der Krise, als Alarmzeichen, aber nicht als Lösungen.

2. Modell Postbeamter

Sein Prinzip: die vorhandene Arbeit in möglichst viele dünne Bretter zu ziehen und diese so gerecht wie möglich zu verteilen. Die vorhandene Arbeit heißt da: die Arbeit, wie sie schon immer gemacht worden ist. Die Vertreter diese Modells sind vehement rationalisierungs- und mechanisierungsfeindlich. Nehmen wir nur den Einzug des Computers in die Welt des Postgiro: die Geschichte endete damit, daß weiter jeder Schalterbeamte die Kontobewegungen mit der Hand in ein dickes Buch, in dem er lange blättern kann, einträgt und über jede einzelne mit einer Zentrale telefoniert. Aber die handschriftlich geführten Bücher werden dann im ganzen in einen großen Computer eingegeben, der daraufhin automatisch bei Überziehungen um Pfennigbeträge böse Briefe schreibt. Der ganze Ansatz ist zu rückwärtsgewandt und außerdem viel zu teuer pro geleistete Arbeit.

3. Umverteilung

Es ist darüber so viel geredet worden, und das was geschehen ist, ist so ganz in die andere Richtung gegangen, daß man die für ein Verteilungsproblem naheliegendste Lösung - die Umverteilung - kaum noch zu nennen wagt.

Wenn nur für Maschinen entsprechend ihres Rationalisierungseffektes Sozial- und andere Kassenbeiträge abzuführen wären ...

Dieses Land gehört schon zu den ganz wenigen reichen Ländern. Und dieser hochkonzentrierte nationale Reichtum konzentriert sich grotesk (Einkommens-, Sozialstatistik)

Es ist zur Zeit nicht modisch, sich von dieser Seite dem Kapitalismus zu nähern. Aber nur weil er seinen Konkurrenten überlebt hat, ist er doch kein bißchen besser geworden, seine Probleme und Fragen sind doch dadurch nicht beantwortet, daß ein anderer Set Antworten sich als mindestens so untauglich erwiesen hat.

Auch die Gewerkschaften mit "Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich" müssen hier zu den Widersachern gerechnet werden. Statt immer besser ausgestatteten Lebensarbeitsplätzen für immer weniger vielleicht Grundgehalt und Lose für abgegrenzte Arbeits-Abschnitte, wie es jetzt Baulose für Autobahnteilstücke gibt. Und mit Grundgehalt meine ich nicht eine solche Absurdität wie die riesigen Sozialbehörden, in denen Heere hochbezahlter Beamter mit kleinstkleiner Zählerei Sozialhilfehöchstsätze bis zu 560.- verwalten, während die Krankenkassen gesetzlich festgelegt bei der Gebührenberechnung 1300.-Mindesteinkommen ansetzen.

Ohne Umverteilung sind Massenarbeitslosigkeit und fortschreitende Verelendung eines immer größeren Teils der Bevölkerung die Perspektive.

So oder so, es gibt immer weniger Arbeit, jedenfalls auf die Gesamtheit gesehen. Bewegen wir uns auf eine bequeme Zukunft zu? Kaum anzunehmen, jedenfalls wenn man Lichtenberg folgen will: "Man ist nur gar zu sehr geneigt zu glauben, wenn man etwas Talent besitzt, Arbeiten müsse einem leicht werden. Greife dich immer an, Mensch, wenn du etwas großes tun willst."



©1995, Daniel Plänitz


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
Daniel Plänitz